Glücksfälle

manchmal im Leben erlebt, und auch in einer  gutbösedurchmischten Gegenwart:

Zwei Leute in einem Raum – Raum darf nach oben offen sein für Luft und Sonne – , die einander vertrauen. In Gedanken nur Zuneigung. So auch in den Worten. Sich geachtet wissen, gut aufgehoben und beschützt. Ohne Konkurrenz. Kein irgendwas-vorspielen-Müssen. Trotzdem hellwach, um in der Wertschätzung des Augenblicks nicht schläfrig zu werden.

Was macht der Fall von Glück mit mensch?
Größer macht es ihn. Mächtiger nach außen, und doch mild.

Beim Öffnen der zweiten Schublade von links

im Durchgang vom Schuppen entdeckte ich das Sicherheitsschloss, gekauft 2020, bei einem dringend dazwischengeplanten Besuch im Baumarkt.
Nur dringend? Oder panisch?
Wenn ich mir heute die vielen, immer gleichen, manchmal ähnlichen Filme ins Gedächtnis zurückrufe, ist alles wieder da: schneller Atem. Gefühl von Enge. Endlosschleifen der vorweggenommenen Situation v. Bedrohung.

Lange Wochen lang zögerte ich.
„Im Dorf vertraut man einander.“
Immer wieder zeichnete ich Skizzen für den Einbau vom Schloss.
Für die Durchführung nahm ich mir keine Zeit.
Dafür dehnte sich die Zeit vor dem Einschlafen, wenn der Ernstfall sich ohne Einladung vor mir aufbaute:
Da rüttelt wer an der Tür.
Die Tür ist gut verschlossen.
Das Impf-Kommando hat Werkzeug für alle Komplikationen:
Elektrik. Elektronik. Laser. Stahl-zerfetzende Geheimwaffen.
Ich renn davon. Lautlos.
Nicht weit. Nur bis zum Schuppen.
Rauf auf den Dachboden.
Leiter hochziehen.
Warten. Lauschen. Nicht atmen.

Wo sind wir? Wo waren wir?
Fern von den Rechten auf
Persönliche Freiheit,
körperliche Unversehrtheit,
Schutz des Hausrechts.

Auswege?
Flucht.
Verstecken.
Kampfhund.

Die Alpträume mitten in Wach-Träumen werden seltener.
Hoffnung und Erholung sind zarte Pflänzchen.
Fürs Gießen und Gedeihen ist von damals an jeder selbst verantwortlich?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Seitenstrangangina

Unter der Bettdecke: Frieren, Husten, Schwäche, Schwitzen, Halswickel, Dösen, grimmiges Denken an nichtkonsumierte Sommerfreude, Hustenwickel, Frostschwitzen, Sommerhals, Konsumschwäche, Deckendös.

Über der Bettdecke: Alles, was Freude macht und nach lauem Abend riecht, mit Wein und Salat und far-niente.

Unsichtbar, aber präsent: Das Wort Seitenstrangangina, das sich in einer Ecke zusammenrollt und knurrt, sobald ein Gedanke in seine Nähe gelangt.

W i e d e r   g e s u n d:

Unter der Bettdecke: Sehnsuchtsort. Trägheitsidyll. Abwesenheit von jeder Art Verpflichtung.

Über der Bettdecke und in weitem Umkreis: Muss tun. Gemüse und Getier. Und das auch noch. Unkraut zu unseligen Zeiten in unzumutbaren Zuständen. Und alles andere auch. Je mehr ich Es ablehne, desto stacheliger fühlt es sich an. Dornen schießen an unmöglichen Orten hervor, man möchte ES von sich schleudern – zwecklos.
Die einzige Möglichkeit, es zu entfernen: Man trägt es eifrig und behutsam durch den Tag und entfernt in froher Grundstimmung ein Teil nach dem anderen. Bis ES sich aufgelöst hat.

Ohr im Gras

Du willst es wissen, und du tust es auch, legst dich bäuchlings auf die Erde, ein Ohr im Gras,
und du hörst das Krabbeln und Sumsen, und das Dröhnen der Tiefe, die Wellen der Weite –
was sie anschwemmen, überfällt dich: Jammern, Jaulen, das Wiehern, Gurgeln, Ächzen, das Stampfen von Maschinen, das Weinen, das Brüllen, das schwere Atmen auf der Flucht – Schmerz, Schmerz, niemals aufgewogen durch Lachen, Lust, Seligkeit und Gesang – oder doch?
Genau in dem Augenblick, als ein Kübel voll Mitgefühl über dir ausgeschüttet wird, spürst du das Pieksen von Dornen, einen Mückenstich, und du rennst nach Hause: Wo ist Kuchen? Käse mit Wein? Und Schlaf. Wir hoffen doch, ein unschuldiger Schlaf.

Meine Sommerzeiten, es waren viele,

sie rochen nach Heu und Wald, nach Wasser, Fernweh und Heimweh, nach Kirschen und frisch gestrichenem Gartenzaun.
Scheinbar grenzenlos breiteten sie sich aus unter dem Himmel aus Sonne und Blitz – und waren doch immer zu kurz.
Meine Sommer verbrachte ich auf dem Land, mal näher, mal fern, im Norden, am Meer, in Frankreich, Jugoslawien und in Guter Hoffnung.
Jobben im Sommer, das auch, es musste sein. Und Sommer mit Kind + Bauernhof oder Kultur oder alles auf einmal.
Es waren gute Zeiten. Nicht gut: Miesdraufsein auch in Ferienzeit. Ratlosigkeit. Kummer. Dummes Wort. Wie ein Geständnis. Es lässt sich nicht gern schreiben, tippen und gehört doch dazu. Aus der Ferne der Gegenwart wirkt es nur wie ein grauer Klecks, verwoben ins Muster der Land- und Seekarten.

Was kommt?
August, September.
Winter, Frühling, Sommer: Alles offen. Mit ebenso offenen Armen möchte ich warten. Spaten und Harke voll Tatendrang.
Futtersäcke und Samen bereit für neues Leben.