Die Fragmente neuer Beiträge ruhen auf Notizen,

in Mappen und PC,
weil sie sich hitzebedingt einer detailierten Ausarbeitung widersetzen. Sommer lähmt. Früher war Sommer: Wasser, Freude, Bad, Kukurruzbraten überm Lagerfeuer, Wasser, Freiheit, Luftmatratzen, ungeplantes Feiern, Wasser, Bravo, Sonnenbrand-aber-macht-nichts, Wasser und die Morgensonne im Nussbaum mit dem Gefühl, der Tag liegt –ohne Plan – vor mir: alles kann sich ereignen. Wirklich alles.
Und diese Schlager, deren Töne den Horizont weiter, den Himmel höher machten und den Rhythmus der Clique bestimmten, die noch nicht so hieß, sondern ich und die anderen und Charakter, Ziel und die Anzahl der zur Verfügung stehenden Fahrräder jeden Tag verändern konnte.

Das Baden in neun Wochen dauernder dolce-far-tutto- Gegenwart verstellte nicht den Blick auf die Zukunft, und die bestand aus einer Bühne, die von Jahr zu Jahr mehr Größe, Bedeutung, Geld und immer attraktivere Darsteller in immer interessanterer Dramatik, in Tragik, Fantasy, Utopia, Komödie Melodram und Realismus, versprach.
Heute?
immer noch!
Nur, Fantasy kann man streichen.

Notfallnot

Augen und Hirn, alles tut mir weh beim Lesen, wenn sich die Warnungen überschlagen vor Unwetternotfall, medizinischem Notfall, NotNotfall und bisher ganz unbekannten Notfällen.
Ich möchte das nicht.
Die Herausforderung, mit Notfällen fertigzuwerden, wirkt belebend und macht widerstandsfähig.
Nur die Sorge um die Wasserversorgung bereitet mir manchmal Sorgen.
Ohne Wasser kein Leben.
(Ohne Leben keine Sorgen, aber das ist ein anderes Thema.)
Zum Glück fließt hier in der Nähe ein Bach vorbei.
Im Notfall würde ich mit einem Kübel ans Ufer treten und nur so viel Wasser entnehmen, dass es den Durst stillt. Meinen Durst.
Vielleicht auch noch den der vielen Gemüsepflänzchen. Und den Durst von Blumen, Obst und Obstbäumen. Die Vogeltränke, auch die ist wichtig. Und eine große Tasse mit Wasser, für die Insekten. Wespen sind Meister darin, sich auf der Wasseroberfläche treiben zu lassen, und, wenn ich sie vorm Ertrinken retten möchte, davonzuschwirren.
Um Wasser nicht zu verschwenden, denke ich seit Wochen über ein wirksames, nachhaltiges Bewässerungssystem nach. Ungefähr wie bei den Navajos. Hatten die nicht Terrassen, wo Regenwasser langsam abwärts rieselte?
Oder: ein geschlossenes System aus Rohren mit Löchern bauen, aus denen die Erde berieselt wird. Nur, irgendwer muss nachfüllen. Irgend eine Energie muss das Rieseln am Laufen halten. Ein Perpetuum mobile mit Solarantrieb?
Oder: Leben am Bach. Algen vom Grill. Vorm Schlafengehen einen Drink zur Musik der Wellen.
Noch besser: Echte Indianer einladen, mit allen Reqisiten für wirksames Regenritual. Mit Teaching.
Magie-to-go.
Weil, ich will das auch können dürfen.

Nein, ich bin kein Notfall.
Ich brauche keinen Arzt.

Freundschaft

braucht Vertrauen, Treue und alles, was die gemeinsam erlebte Zeit kostbar macht.
Aber, Freundschaft ohne zumindest eine Spur von Erotik löst sich auf/fängt gar nicht erst an.
Geheimnis anvertrauen – näherrücken.
Tut das gut.
Diese zwei Menschen können einander auch riechen.
Graue Haare, Muttermal, krumme Nase: Das Unkaut im Garten der angenehmen Empfindungen.
Gerührt sein von Berührungen. Immer wieder.

Ohne eine Spur von Erotik kannstu –
nein, nicht gleich die ganze Freundschaft in die Tonne treten.
Vielleicht nur herabstufen auf Bekannt mit ein paar gemeinsamen Interessen. Man sieht sich…mal wieder…

Song Contest 1964

Gigliola Cinquetti, 16 J., das Haar zu einem Rosschwanz gebunden, tritt in schlichtem Kleid auf die Bühne und singt:

Ich bin zu jung.
Ich bin zu jung, dich zu lieben.
Ich bin zu jung, um allein mit dir auszugehen.

Und ich hätte nichts,
hätte nichts, was ich dir sagen könnte,
weil du schon alles über mich weißt.

Wenn du möchtest,
wenn du auf mich warten möchtest,
wirst du an jenem Tag all meine Liebe bekommen.

Lass zu, dass ich eine romantische Liebe erlebe…

(v. N. Salerno, M. Panzeri, G. Colonnello)

ernst 1

Wochenlang kein Eintrag.
Weil kein Thema dem Ernst in der sog. realen Welt gerecht werden könnte.
Trotzdem: Immer wieder Zerstreuung. Kaffee. Musik. Lesen. Schreiben. Rechnen mit glücklichen Umständen.
ES / wasauchimmer wird weitergehen.
Krisen gab es schon immer.
Seuchen.
Diktatur.
Meine maximale Krise: Der Nato-Nachrüstungsbeschluss.
Überhaupt, der Kalte Krieg und die Kubakrise, die ich nur als finstere Stimmung zwischen Erwachsenen wahrnahm. Nicht greifbar, nicht erklärt. Umso unheimlicher.
Die Kriege davor.
Stammesfehden.
Ritterburgen eingnommen, kaputtgeschossen.
Pest.
Hunger. Durst Tod.

Was hilft?
RatSchlag aus dem www: Bleibt in eurer Mitte.
Ja, eh.
Vernetzt euch. Auch analog!
Sowieso. Im Umkreis von ~ zehn kmkenne ich 15- 20 Menschen, die auf mich zählen können, wenn ‘s drauf ankommt. Und umgekehrt.
Aber: Wirkt das nicht wie ein arger Rückfall ins Biedermeier? Rückzug ins Häusliche. Rücklings niedersinken ins Bodenlose von Hängematte und Vorratskammer?
Nein. Weil, jetzt  scheint alles anders.
(mensch auch.)

Vor ein paar Wochen hat mir die überübernächste Nachbarin einen Teller von ihrem Abendessen gebracht. Nur so. Ich hab danke gesagt, gut gespeist, Teller mit Cookies drauf zurückgebracht. Und kurz darauf schon wieder. Und ich –Abwehr. Weil, Vegetarierin. – Mein heiliger öder Speiseplan total überfremdet. – Fremden Teller abwaschen, was Leckeres drauf, zurückbringen. – Und, was sag ich, wenn das so weitergeht? mich bedrängt?
Was sag ich zu mir, in diesem Sumpf aus unverdientem Sättigungsgefühl und garstiger Laune?
Du hast versagt,
du undankbares Wesen.
Und: Was für einen Fußtritt muss dir das Schicksal verpassen, bis du fähig bist, einen Teller voll Abendessen annehmen zu können?!