ernst 1

Wochenlang kein Eintrag.
Weil kein Thema dem Ernst in der sog. realen Welt gerecht werden könnte.
Trotzdem: Immer wieder Zerstreuung. Kaffee. Musik. Lesen. Schreiben. Rechnen mit glücklichen Umständen.
ES / wasauchimmer wird weitergehen.
Krisen gab es schon immer.
Seuchen.
Diktatur.
Meine maximale Krise: Der Nato-Nachrüstungsbeschluss.
Überhaupt, der Kalte Krieg und die Kubakrise, die ich nur als finstere Stimmung zwischen Erwachsenen wahrnahm. Nicht greifbar, nicht erklärt. Umso unheimlicher.
Die Kriege davor.
Stammesfehden.
Ritterburgen eingnommen, kaputtgeschossen.
Pest.
Hunger. Durst Tod.

Was hilft?
RatSchlag aus dem www: Bleibt in eurer Mitte.
Ja, eh.
Vernetzt euch. Auch analog!
Sowieso. Im Umkreis von ~ zehn kmkenne ich 15- 20 Menschen, die auf mich zählen können, wenn ‘s drauf ankommt. Und umgekehrt.
Aber: Wirkt das nicht wie ein arger Rückfall ins Biedermeier? Rückzug ins Häusliche. Rücklings niedersinken ins Bodenlose von Hängematte und Vorratskammer?
Nein. Weil, jetzt  scheint alles anders.
(mensch auch.)

Vor ein paar Wochen hat mir die überübernächste Nachbarin einen Teller von ihrem Abendessen gebracht. Nur so. Ich hab danke gesagt, gut gespeist, Teller mit Cookies drauf zurückgebracht. Und kurz darauf schon wieder. Und ich –Abwehr. Weil, Vegetarierin. – Mein heiliger öder Speiseplan total überfremdet. – Fremden Teller abwaschen, was Leckeres drauf, zurückbringen. – Und, was sag ich, wenn das so weitergeht? mich bedrängt?
Was sag ich zu mir, in diesem Sumpf aus unverdientem Sättigungsgefühl und garstiger Laune?
Du hast versagt,
du undankbares Wesen.
Und: Was für einen Fußtritt muss dir das Schicksal verpassen, bis du fähig bist, einen Teller voll Abendessen annehmen zu können?!

 

 

 

 

Doch mal ins Konzert?

Kammermusik in meiner Kammer wird perfekt, wenn der Plattenspieler wieder funktioniert. Bis dahin: Ö1-Nachhören. Oder youtube Anklicken, mit dem Klangdefizit, das durch Kompressor und unzulängliche Lautsprecher entsteht. Und immer nebenbei „was tun“. Socken flicken. Pause. Nachheizen. Komponisten googlen. Tee.
Wie wäre es, nach langer Zeit wieder ein Konzert zu besuchen? Ohne Ablenkung durch Oper, Bühne, Drama?
Richtet sich die Aufmerksamkeit vom Werk, das aufgeführt, vor- und vorbeigeführt wird, auch auf das musikalische Handwerk? – Bleiben Worte wie Kontrapunkt, Melodieführung. TonartWechsel… abstrakt? Bewirken sie den Anfang eines langsam beginnenden Verstehens? – Ist Versenkung gut oder böse? – Erleidet das Musikerlebnis Verluste, wenn es mir  Erinnerungen beschert? – Wann und unter welchen Umständen entsteht auch aus dem aktuellen Erlebnis eine Erinnerung, die wieder durch zukünfitge Musik oder auch ganz andere Signale wachgerufen wird?
Darf ich ganz Ohr sein?
Sollte ich mir nicht Gedanken machen, ob daheim alles in Ordnung…?
Verändern die Menschen im Saal mich und meine Musik?
Wenn dem einen während einer bestimmten Passage ein Kurkonzert im Sommer zuvor einfällt, dem anderen eine Musikstunde im Gymnasium, undund – ist trotzdem ein kollektives, freudiges Musikerlebnis möglich, das sich in einer unsichtbaren Genusswolke im Raum erfühlen lässt?
Und was hat es mit dem missbrauchten Begriff Andacht auf sich?
Am Ende: Darf ich den Nachhall unterwegs zur U-Bahn verlieren?

Was wäre, gäbe es irgendwann keine Musik mehr, weder durch Instrumente, noch auf Tonträgern? Kann Musik im Kopf als annähernd gleichwertiger Ersatz dienen? Und wenn dieses lautlose Rauschen ins Freie will und sich aus Entbehrung so wild gebärdet, dass ein neuer Stil entsteht…?

Wunschliste 26.1.

F ü r  m i c h:
o) Mehr Spaghetti! Mehr Ravioli, Tagliatelle,
gefüllt mit innovativen Zutaten: Trüffel-Amaretti. Auberginen-Ricotta-Walnuss. Spargel-Spinat-Limetten…
o) Mein altes, harmloses Handy, aufgepeppt nur mit Whatsapp und den vielen, hübschen Smilie-Bildchen
o) Katze und kleiner Hund, die versprechen, nicht länger zu leben als ich
o) Heftpflastervorrat an allen kritischen Orten: Schuppen, Hackstock, Weingarten
o) Zeit für meine alten Vinyls
für kreatives Nichtstun
zum Schulfranzösisch-Auffrischen: Buch in Originalsprache lesen, youtube-Lehrgängen folgen
o) Einem lieben Menschen die lange schwelenden Fragen stellen, die unter die Haut gehen und nicht zwischen gibt’s was Neues und Allfälligem versacken
o) Geduld

F ü r  a l l e  d o r t  d r a u ß e n:
Frieden
Wasser
Spaghetti
Eine Instanz, die in allen Sinneseindrücken die wahren Zusammenhänge erkennt, Ursachen und mögliche Auswirkungen voraussieht und die Ergebnisse auf verständliche Weise den weltlichen Entscheidungsträgern übermittelt.
Geduld

Vor ein paar Tagen…

…habe ich Geschenke bekommen.
Und auch Geschenke verteilt.
Es bereitet ein wohliges Gefühl. Das Ego bläht sich auf und verdrängt Herz und Nieren um ein Weniges. Freundliche Grundstimmung erzeugt Lächeln, das der Welt dort draußen gewidmet ist undzurückgespiegelt wird. Und bald pendelt sich alles wieder ein in den alltagstauglichen Normalzustand normaler Menschen.

Hier und dort aber, früher, später und auch heute, springen Menschen über ihren Schatten und schenken sich selbst. Verlassen die relative Sicherheit ihres geordneten Lebens, trennen sich von Gewohnheiten, Besitz  und ihren Lieben, um fortzuziehen, einer Idee zuliebe. Von Jesus über Franz von Assisi über Florence Nightingale, Martin Luther King, Albert Schweitzer und Janusz Korczak…bis Jane Goodall.

Und…ich?
Edle Träume. Diffuse Pläne. Aufwachen mit Abwehr, Spott, Scham.
An manchen Tagen ein Aufschwung zum Wollen—
Aber, alles so schwierig, schwierig. Nüchtern betrachtet: Ganz unmöglich. (Haustierbedingt, das auch.)
Vielleicht wäre es besser, mit kleinen Schritten zu beginnen -, nein, mit dem allerkleinsten: So wie der Gelehrte Chögyam Trungpa  schrieb: ≈ „…Wirst du um Tee gebeten, bereite Tee zu. Will man Kaffee von dir, bereite Kaffee…“ .
Das klingt einfach. Das kann ich. Meinetwegen auch Nudeleintopf, denn von Tee wird keiner satt.
Oder, hier: „…Wenn jemand von dir verlangt, eine Meile mit ihm zu gehen, dann gehe zwei…“  (Matthäus 5:41)
Tee und Zeit schenken: Ja, das möchte ich gerne. Dabei aber unbedingt darauf achten, bis zum Mittagsschlaf wieder daheim zu sein!

 

i, gelobtes Übel

Wieder bei instagram. Bin total begeistert. So viele Fotos, Filmchen, Leute und Impressionen. Hier und dort was dabei zum Weiterforschen, ab und zu gscheite Kommentare an xy, die das sicher zu schätzen wissen, und wenn dann auch noch AW kommt, fühlt der Mensch sich wahrgenommen und blendet aus, dass es von Anfang an die Strategie war: In den Dschungel rufen: Here I’m! Me voilà! Mono yandi yai!
Es tut so gut, sich nie wirklich einsam zu fühlen.
Immer ein Haufen Leute in Klickweite und morgen noch mehr, übermorgen nochnochmehr, und in einem Jahr-

Ich stelle mir vor, alle, die mir folgen, und die, die von mir gefolgt oder verfolgt werden, wasweißdennich, sitzen zusammen im Sesselkreis, in vielen, ineinader verzwirbelten Sesselkreisen:
Ein ursympathisches Wesen, aber mit unmöglichen Leggins. Einer, der alle meine Fotos liked, will rauchen. Frau S. spricht nur sächsisch, und überhaupt entstehen Vibrations, die, gut/ungut/gleichgültig durch den Raum wabern. Blickkontakte werden durch winkende Hände vorzeitig unterbrochen, der Geräuschpegel steigt…
Was tun?
Kaffee für alle geht sowiewo nicht, und eine ehrliche Aussprache schon gar nicht. AnSprache? Wie denn, wenn alle dazwischenrufen.
Glaub, ich schmeiß sie raus.

Was bleibt?
Anregungen. Inspirationen. Überraschungen. Sympathie? Mit der wachsenden Gewissheit, dass Charakter auch aus Wort und Bild hervorblitzen kann.