Neustart 31. Mai

Wie jedes Jahr: Ins Wasser. Euphorie. Kälteschock. – Das Freibad, in dem ich aufgewachsen bin, hat mir eine freudvolle Sommersaison gewünscht.
Nein, nicht noch ein Wasserfoto in die Galerie.
Nur eine Verwunderung, ein Geständnis:
Ich bin ein ungeduldiger Mensch. Es fehlt mir an Nachsicht für Situationen, die grad nicht zu ändern sind. (Nicht die großen, tragisch-dramatischen) Manchmal möchte ich gerne heilsam-explodieren können, rücksichtslos und furios.
Nur hier nicht, nicht im Wasser, das vor Lebensbejahung die zwei Verneinungen am Satzbeginn gleich wieder löscht. Und wie es kühlt, wie es prickelt und zugleich beruhigt.
Es trägt und wellt und spricht auch zu mir: Was kümmert dich das bisschen Lärm ringsum? Auch die Schülerhorden, die am Tag vorm Zeugnis toben und kreischen und pubertär herumpöbeln, lasse sie toben.
Ein Gummitier in Purpurrosa versperrt die Aussicht? – Untertauchen und umrunden. (Nein, das Kind auf dem rosa Tier zwickt man nicht in die Beine.)
Ballspiele, maximal störend? – Nur Spiel.
Und diese Person, die eeewig lang die Quelle besetzt und weder durch Nixenhaftigkeit noch Wassermann-Würde dazu berechtigt ist: Soll sie dümpeln. Dein Retreat wartet.
Auch die Gedanken ans Après, an musts und müssen, werden fortgespült. Jetzt ist jetzt ist Glück

nichtlustig

„Du wirst komisch auf deine alten Tag‘.“
„Stimmt nicht. Ich war immer schon komisch.“
Früher, als es noch Stigma war. Nicht: Auszeichnung.

eat the unverschämt rich

Heute dachte ich mir wieder, bin ich reich! Zwischen blühenden Himbeersträuchern das Unkraut wegmachen, Marillen beim Changieren von pelzig-Grün nach hoffnungsvoll-Gelb beobachten, das wird nur Sonnenkindern des Schicksals zuteil. Und schon schwebte ich ein bisschen…,
gerade so weit, so hoch, dass mir die zornigen Lettern der Gerechten ins Auge knallten:

Eat the rich!

Ich will nicht gegessen werden.
Auch, was die wahrscheinliche Zielgruppe betrifft, bitte ich um Schonung bzw. um maßvolles Abstrafen.
Die anderen (mega-, giga-outrageously-rich) sieht man nicht. Im Schatten, den sie selbst gewählt haben, verstecken sie ihre Millionen, checken Aktienkurse und jonglieren mit möglichst vielen Tochterorganisationen.
Und – ich denke, es ist positiv zu betrachten – sie sehen uns nicht. Uns, die fast Glücklichen zwischen Klee, gerechten Früchten und Millionen von Blattläusen.

 

Nicht sollen wollen

Das erste Thema für den ersten Großen! Roman war nicht richtig gewählt. (Nur so ein Gefühl) Das zweite aber, jetzt in Vorbereitung, viel ernster, mit Tiefgang und real existierendem Background, es schwelt und gärt und freut sich auf alles, was kommt.
Das als erstes anzugehen wäre ein Großes Unternehmen gewesen. Mehr Anstrengung, mehr Recherche, mehr Kaffee.
So aber. Nichts mehr zu machen.

So viel Fleiß und Konzentration in den vergangenen Jahren, und nun Ungewissheit. Wär gut, hätte ich dem Thema, das sich langsam entfernt, mehr Urlaub beschert, und mir das Abschweifen, das Streunen nicht nur in Gedanken: Immer wieder hätte ich Seitensprünge ins lebendige Leben unternehmen sollen. Mehr Vibes, mehr Austausch.
Bei Austausch fällt mir meine Zeit als Au pair auf den Kopf: Ich hätte diese Zeit à Paris! voll auskosten sollen. Anstatt vier Wochen lang in Heimweh zu versinken, dann vorzeitige Abreise, quelle folie!
Auch hätte ich in den Jahren darauf nicht jedem Anfall von Fernweh nachgeben und planlos das Weite suchen sollen mit Übermut, und blind für Gefahren.
Bei Gefahr fällt mir Gefährte ein. Wieviele von ihnen hab ich vergrault, durch Unachtsamkeit, dumme Worte, Dummheit-an-sich, durch Taubheit für Zwischentöne. Und, ich hätte ein Musikinstrument erlernen sollen!

Forts. später: Anstatt das hier niederzuschreiben, hätte ich mein mageres neues Exposé verheizen und neu gestalten sollen. Ich hätte, anstatt vorm PC zu frösteln, im Wald Holz suchen sollen, weil Buchenholzvorrat zu Ende.
Ich sollte nicht dauernd sollte schreiben.
Morgen könnte alles besser werden, vielleicht.

Sich wandelnde Pakete

Leben ist Veränderung,
auch Geburtstagstische sind Beweis für Leben, für Entwicklung, für zunehmende Jahre. Und! für abnehmende Originalität?
Kaum wahrnehmbar hat es angefangen: Geschenke mit teilweiser Nützlichkeitsabstinenz, als i-Tupf, Dekor oder süßes Extra, sind praktischer Anwendungsmöglichkeit gewichen.
„Kannstu sicher brauchen. Musst nicht selber kaufen.“
Ja, eh.
Danke.
Wer so schenkt, hat sich was gedacht dabei, hat sich ins Portemonnaie des Geburtstags-, Weihnachts…-kindes eingefühlt und achtsam gewählt.
Danke, danke!

Warum?
Hält Inflation die Ansprüche an der kurzen Leine?
Wo soll das enden?
Bei Brot-Preisen im 1000 e-Bereich und der Hoffnung auf Aufschwung , auf Hilfe-von-innen-außen?
Oder es geht sowieso alles den Bach runter.
Aber, Bach fließt in den Fluss, Fluss mündet ins Meer. Meer fordert Mut:
Zum Wellenreiten,
zu Aufbruch, zum Schiffe-Bauen, um ferne Inseln azusteuern undund. Schwimmwesten und Navi nicht vergessen.
Viel Glück!

Das nächste Geschenk?
Ein Traum aus Meersalz, Morgenröte und rosa Bonbons.