Schock?

Wenn einem (mir) bewusst wird, dass die Erde nichts ist als eine unscheinbare Winzigkeit im All, und dass eine interstellare Macht, die es nicht gut mit uns meint, alles, was hier lebt, töten könnte, und dass es vor so einem Ereignis keinen Schutz gibt – Hütte, Haus, Burg, auch der Windschatten eines Berges, alles zwecklos –, kann diese Erkenntnis zu Panik führen, zu Gleichgültigkeit, vorbeugender Todessehnsucht und zu fast perfektem Verdrängen.

Oder: Das Schicksal in seiner Form als interstellare Macht bestechen: Wenn man von jetzt an allen, die es brauchen, Geborgenheit bietet, Butterbrot, Suppe und Matratze (nur wenn ganzganz dringend. Besser nicht), wäre es vielleicht möglich, der Auslöschung durch interstellare Stürme und andere Widerwärtigkeiten zu entgehen, zumindest aber das Übel abzuschwächen: Beinbruch und Platzwunden statt vorzeitiger Tod, zum Beispiel.

Einmal hielt ich ein 6 Monate altes Erpelküken im Arm. Unklare Symptome, Diagnose im Dunkel. Küken wurde schwächer, ohne Zeichen von Schmerz. Ich hielt es in seinen letzen Minuten im Arm und wusste es beschützt vor allen irdischen Wesen und außerirdischen Gewalten und vor der Kälte im vergangenen Jänner.

Haten darf man nicht, aber dem Smartphone ist es eh wurscht.

Wenn auf einmal der Mailserver nicht mehr funktioniert und zu verstehen gibt, dass er vor allem meine Nachrichten, ja, auch den Versuch, mich mit PW und Codes wieder anzunähern, verschmäht und mir die eiskalte Schulter zeigt mit abweisenden Signalen in Signalrot,
wenn der Zustand ohne vernünftige schriftliche Verbindung zur Außenwelt (10 m -> 1000 km Entfernung) zu einer psychischen Krise anwächst, die weder durch exzessive Kaffeejausen noch durch calmierende Floskeln  – „ja, es gibt Schlimmeres!“ – ihre Schwere verliert,
dann ist es Zeit, das alte Handy durch ein neues Smartphone zu ersetzen.
Beruhigung tritt ein: Mailschreiben lernen, Symbole, Adressen, Speicherorte, alles, alles suchen und finden lernen.
Oder nicht.
Beunruhigung bleibt. Ungeduld und Verstörung schaukeln einander auf. Die Fäden zur Außenwelt, die drahtlosen Drähte, bleiben zerrissen. Nullkommunikation.
Nix verstehn.

Aber, bin eh analog geschult, PC kann ich.
Meine Abwehr richtet sich also nicht gegen das Digitale-an-sich. Viel eher hat es mit der Mehrdimensionalität in den Eingeweiden des Smartphones zu tun: Funktionen, Hinweise, Erledigtes, alles versteckt sich auf verschiedenen Ebenen. Müsste ich suchen. Entdecken. Im Kopf abspeichern. Nur, ich will das nicht.

Wie anders aber draußen, im analogen Leben!
Unterschiedliche Ebenen, natürliche Mehrdimensionalität:
Was unter der Erde ist,
in der Tiefe unterm Wasserspiegel – mysteriöses Meer -,
über den Wolken
oder zwischen Gesteinsschichten,
fordert heraus und bringt Expeditionen auf den Weg,
beschert Abenteuer zwischen Vorsicht und Wagemut.
Es braucht Kraft und Ausrüstung, Wasservorräte, Proviant und Mitstreiter, auf die man sich verlassen kann.
Kein Smartphone bietet dieses Package. Keine versteckte Funktion in diesen 16 x 8 x 1 cm kann es mit den Höhlen im Salzkammergut aufnehmen, nicht mit dem Untertauchen, während man den Boden unter den Füßen verliert und Leichtigkeit mit LebenAtmenWollen einander den ultimativen Wettstreit liefern.

 

 

 

 

 

 

elementar

Schon wochenlang im Glück!
Schwimmen, immer wieder,
Bad in der Quelle,
albern Herumpaddeln wie ein junger Hund,
und bald nach Hause, das muss so sein,
dazwischen aber zwischen den Wellen, obenauf und darunter.
Wasser in seiner angenehmsten Form genießen
an einem guten Ort:
Keine Überschwemmungen. Niemand leidet Durst.
Luft: Meist angenehm. Kaum Sturm.
Erde: Fruchtbar.
Feuer:  Wird gezähmt. Gibt Wärme im Winter.
Müsste ich dankbar sein, hier geboren zu sein?
Verdienst/Karma? / Oder –
vom All aus betrachtet: So ein Zufall, nicht als niedere organische Molekülverbindung umherzuirren?
Ich frage hier nicht, ob Leben im Weltall existiert, sondern, ob es anderswo auf unserem Planten so viel geballtes Leben + Freude gibt.

Teich

Teich 1:

Vor ein paar Tagen habe ich den Teich geputzt. Schrubber holen, Stöpsel raus, Wasser raus, das diesmal sehr langsam floss, weil Rohr verstopft. Ich konnte also nur die Teichfolie reinigen und die vielen Steinchen mit dem Kübel auffassen und damit wieder raus ans Ufer klettern. – Stöpsel einpassen, Wasser aufdrehen und zuschauen, wie die Enten neugierig beobachten, wie es mehr und mehr wird, bis sie das erste Bad wagen, das alles musste warten.
Am nächsten Tag kam Hilfe. Das Abflussrohr wurde mit Druckluft gereinigt, dann endlich: Wasser in den Teich, Badespaß gerettet.
In den Stunden davor aber waren meine Enten enttäuscht, desorientiert, unruhig und ziemlich neben der Spur. Sie kommunizierten hier und da mit Schnabelhieben und sahen mich vorwurfsvoll an.
Später schien alles vergessen, nur ich kam beinahe nicht darüber hinweg.
Musste denken: Für Geschöpfe, die nicht/noch nicht fähig sind, das unmittelbare Geschehen zu verstehen, kann eine ungewöhnliche Situation zur verstörenden Bedrohung werden. Babys zum ersten mal im Wochenendhaus. /Bei Großeltern. / Handwerker, die lärmen und einfach durchmarschieren, wo Platz-von-Kind.  / Hund, Katze, Tier- überhaupt erlebt Baustelle vorm Haus, Unwetter oder Schlimmeres. Undundund.
Seid umsichtig, möchte ich allen Bezugspersonen zurufen. Wo es unmöglich ist, zu erklären, sollten Schutzmaßnahmen wirken. Schutz als eine konkret-abstrakte Symbiose von Haferbrei, Wolldecke und Umarmung, begleitet von Gemurmel und Gesinge und bedingungslos-liebevoller Präsenz.

Teich 2:

Gut tut es, abends am Teich zu sitzen. Nah am Wasser, so ein Privileg.
Hallo Idylle!
Auch wenn am Grund vom Teich rote Ringelwürmer leben und Matsche fressen, auch wenn eine Kröte es wagt, jedes Jahr auf Besuch zu kommen, obwohl meine Enten vermutlich Laich und Kaulquäppchen vernichten. Insekten kommen angeflogen, trinken und starten durch. Manche schaffen es nicht und ertrinken. Auch nah am Wasser ist Natur. Natur hat Raum für Leben und Tod und den Reichtum dazwischen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Schutz in Schwebe

Hätte ich nicht Nachrichten gekuckt, die vergangenen vier Jahre wären an mir vorübergezogen, und – Supermarkt mit Maske ausgenommen – ich wäre ohne Sorge, mit nichts als einer unangenehmen Grippe mit Schwächezuständen im Gepäck, im Hier und Heute angekommen. Ohne Rancune, ohne an der Politik zu zweifeln.
Oke, es ist auch der Garten, zusammen mit der Gnade der frühen Geburt, der mir die Freiheit, frei zu atmen bewahrt hat.
Auch deswegen tauchen Fragen auf: Wäre es nicht Pflicht, sich zu empören? Nicht nur am PC, sondern sich live der Gefahr von Aggression in Worten und Taten auszusetzen? Ist es legitim, sich zu verstecken?
Antwort: JA:
Niemand kann mich zwingen, für andere den Aufstand zu proben. Ich brauche meine Kraft, um für liebe Menschen in meinem Umfeld dazusein.
Antwort: NEIN:
Niemand lebt für sich allein. Wären alle Revolutionen der Geschichte nur im Untergrund besprochen worden, in lebhaften, zukunftsschillernden Farben ausgemalt, wären es eine bessere/schlechtere Welt?

Unter geschützten Räumen finden sich Erdreich und Felsen, die – vielleicht – auch die feinsten Irritationen von draußen weiterleiten. Durch Fußböden und Mauern in Kopf und Herz.

Über scheinbar geschützten Räumen ziehen Wolken dahin. Bauchige Schönwetterwolken. Und andere, die Sturm und Hagel bringen oder Schlimmeres.

Nichts ist für immer sicher.
Im Ernst(-Fall): Die kleine, egoistische Sicherheit mit Tor versehen, und das Tor mit Einladung für special guests. Schutz bieten. Wenn gewünscht, auch mit Gulaschsuppe und Getränk. Und neuer Kraft.