Vor ein paar Tagen…

…habe ich Geschenke bekommen.
Und auch Geschenke verteilt.
Es bereitet ein wohliges Gefühl. Das Ego bläht sich auf und verdrängt Herz und Nieren um ein Weniges. Freundliche Grundstimmung erzeugt Lächeln, das der Welt dort draußen gewidmet ist undzurückgespiegelt wird. Und bald pendelt sich alles wieder ein in den alltagstauglichen Normalzustand normaler Menschen.

Hier und dort aber, früher, später und auch heute, springen Menschen über ihren Schatten und schenken sich selbst. Verlassen die relative Sicherheit ihres geordneten Lebens, trennen sich von Gewohnheiten, Besitz  und ihren Lieben, um fortzuziehen, einer Idee zuliebe. Von Jesus über Franz von Assisi über Florence Nightingale, Martin Luther King, Albert Schweitzer und Janusz Korczak…bis Jane Goodall.

Und…ich?
Edle Träume. Diffuse Pläne. Aufwachen mit Abwehr, Spott, Scham.
An manchen Tagen ein Aufschwung zum Wollen—
Aber, alles so schwierig, schwierig. Nüchtern betrachtet: Ganz unmöglich. (Haustierbedingt, das auch.)
Vielleicht wäre es besser, mit kleinen Schritten zu beginnen -, nein, mit dem allerkleinsten: So wie der Gelehrte Chögyam Trungpa  schrieb: ≈ „…Wirst du um Tee gebeten, bereite Tee zu. Will man Kaffee von dir, bereite Kaffee…“ .
Das klingt einfach. Das kann ich. Meinetwegen auch Nudeleintopf, denn von Tee wird keiner satt.
Oder, hier: „…Wenn jemand von dir verlangt, eine Meile mit ihm zu gehen, dann gehe zwei…“  (Matthäus 5:41)
Tee und Zeit schenken: Ja, das möchte ich gerne. Dabei aber unbedingt darauf achten, bis zum Mittagsschlaf wieder daheim zu sein!

 

i, gelobtes Übel

Wieder bei instagram. Bin total begeistert. So viele Fotos, Filmchen, Leute und Impressionen. Hier und dort was dabei zum Weiterforschen, ab und zu gscheite Kommentare an xy, die das sicher zu schätzen wissen, und wenn dann auch noch AW kommt, fühlt der Mensch sich wahrgenommen und blendet aus, dass es von Anfang an die Strategie war: In den Dschungel rufen: Here I’m! Me voilà! Mono yandi yai!
Es tut so gut, sich nie wirklich einsam zu fühlen.
Immer ein Haufen Leute in Klickweite und morgen noch mehr, übermorgen nochnochmehr, und in einem Jahr-

Ich stelle mir vor, alle, die mir folgen, und die, die von mir gefolgt oder verfolgt werden, wasweißdennich, sitzen zusammen im Sesselkreis, in vielen, ineinader verzwirbelten Sesselkreisen:
Ein ursympathisches Wesen, aber mit unmöglichen Leggins. Einer, der alle meine Fotos liked, will rauchen. Frau S. spricht nur sächsisch, und überhaupt entstehen Vibrations, die, gut/ungut/gleichgültig durch den Raum wabern. Blickkontakte werden durch winkende Hände vorzeitig unterbrochen, der Geräuschpegel steigt…
Was tun?
Kaffee für alle geht sowiewo nicht, und eine ehrliche Aussprache schon gar nicht. AnSprache? Wie denn, wenn alle dazwischenrufen.
Glaub, ich schmeiß sie raus.

Was bleibt?
Anregungen. Inspirationen. Überraschungen. Sympathie? Mit der wachsenden Gewissheit, dass Charakter auch aus Wort und Bild hervorblitzen kann.

So ein Tag,

der das Leid von Massentierhaltung und –tötung
beschreibt,
hinausschreit,
wird folgenlos verstreichen,
wenn sich nichts ändert,
und ES wird sich nur ändern, wenn es sich nicht mehr „rechnet.“
Entscheidung ohne Macht, wenn sie nicht Aufruhr macht:
Trotzdem, ab heute lebe ich vegetarisch.
Nicht nur meistens, mit Einzelfalltot-Ausnahmen, sondern 100-%-ig.
Warum kann ich mich darüber nicht freuen…

 

Einer von diesen Tagen

Sonne, aber biestige Laune wg. Behördenkram. Lernprozess: Problem für heute ausblenden. (Morgen telefonieren, aufregen, Stress machen)
Wieder zwei Mäuse im Haus. Hoffnung, dass sie meine Speziallebendfalle akzeptieren.
Heizen schon im September geht gar nicht. Hätte gehen müssen. Nur leider kein trockenes Kleinholz vorbereitet
Trotzdem konzentriert eine Stunde lang arbeiten, nachher Lob und gutes Essen.
Enten wohlauf.
Beim Surfen entdeckt: Einen, der mit Musical zu tun hat. Komponist? Ja, bitte! – Nein, nur Organisator, Direktor, wasweißdennich.
Weitersuchen, Dranbleiben.
Streifzug durchs Guggolz-Verlagsprogramm. Doch endlich was bestellen?!
Guter Vorsatz: Eine Woche lang keine schlimmen Nachrichten lesen, nicht hören.
Mährobotergeräusch von nebenan nicht hören.
Mozart Hören viel besser.

Feedback: Empfang von schlimmen Nachrichten Verweigern ist mir grandios misslungen. (12.10.)

 

Meine Wildfarbene

ist alt und müde. Ende Mai wurde sie elf Jahre alt, aber es gab keine Torte!  aus Körnern und Salat, weil ich’s ganz einfach vergessen hatte, und weil jeder neue Tag ein Geschenk ist, das wir in stiller Freude genießen:
Wenn sie unermüdlich schwimmt und sich treiben lässt und ich weiß, dass sie weiß, dass sie damit ihre Gelenke schont.
Wenn ich zwischendurch die Futterschüssel zu ihrem SchattenRuheplatz bringe, weil ihr das Aufstehen nach langem Dösen besonders schwer fällt, und ich an ihrem Blick erkenne, dass sie weiß, dass ich es weiß.
Noch lebt sie bei Tag im Hier und Jetzt.
(Nicht so wie Mini, Sönam, Judy…, die in den Wochen vor ihrem Tod den Blick nach anderswohin gerichtet hatten.)
Es fehlt ihr nur noch die Sprache…dann—
Stimmt nicht. Sie spricht auf ihre Art. Sie versteht Tonfall und Gestik und den Singsang bei der Heimkehr in den Stall.
Weiß sie, dass sie Ente ist, mit blassen Erinnerungen an ein anderes Dasein?
In einem Buch über alte Kräutermedizin las ich, manche Pflanzen hätten den Wunsch, Tiere zu sein.
Wünschen sich manche Tiere, Menschen zu werden?

Die lose Redensart, im nächsten Leben werde ich mein Haustier würde ich ncht gern verwirklicht sehen:
Nur mensch kann bewusst entscheiden, Schutz und Nahrung zu gewähren. Und: gut und böse unterscheiden.
Tiere handeln instinktiv. Meine Wildfarbene hat Pearl-bei Rekonvaleszenz beschützt: aus Instinkt. Lucky macht Erpel-mit-Macho-Gehabe zahm.

Wäre die Welt eine bessere, wenn jeder aus Instinkt gut sein wollte?