Hören Lesen Schreiben 3. Es drang so intensiv

und so nah heran an die ferne Sozietät, dass ich mich in das Buch verliebte…und las und las, bis mich die Schwermut der Atmosphäre selbst ergriff, bis das Leid, das aus Wurzeln spross, Ausläufer bildete und sich an den Menschen hochrankte, das Wort Ausweglosigkeit um mich auftürmte und ich das Buch weglegen musste.

Und jetzt hinaus ins wirkliche echte Leben, mit Sonnenschein und Blumenwiese, mit Kätzchenvideos, Glanz & Glitzer und Cocktails und Adern, Bächen, Flüssen und schwarzen Tümpeln aus Leid, das versickert, neu entspringt und seine Wege sucht und verführt, auch das Leben wegzule—

Hören. Lesen. Schreiben. 2 Nach den Sommerferien

lockten mich nicht nur neue Lehrer und die Kinder vom Vorjahr. Die Bücher waren es, und die Freude, sie in den Händen zu halten, mit ihrem Geruch nach Papier und Bildern und dem Weiter, immer Weiter beim Umblättern. Buchstaben bauten Tore und luden zum Entdecken ein: Waldviertel und Wachau, Menschen, Feiern, Krankheit, Hochzeit, Pest und Lokomotiven und der Fortschritt. Mittendurch floss die Donau – ein beruhigendes, ein mächtiges Wort.
Es war die Zeit, als unsere Wege von Milch-Holen und Sonntagsausflügen bestimmt waren. Und wenn ein Flugzeug zu hören war, rannten wir ins Freie und wussten: So weit werden wir niemals reisen.

Eine gute Zeit.

Eine bessere Zeit?

Wer es wagt, wer es kann, erforscht Gnome und Riesen in den unbekannten Wäldern vom Waldviertel /
vergisst sein Smartphone und träumt vom Kampf gegen die Monster des Universums.

Neuer Blog: Hören. Lesen. Schreiben. (1)

Was hier fehlt: Sprechen als Output zu Hören.
Macht nichts.
Sprechen kann mehr verbergen als enthüllen.
Es neigt zur Überfülle bei unerfülltem Wunsch nach ehrlicher Offenheit.
Drama, Radio-Drama, Lectures, Lesungen, Poetry-Slam lasse ich draußen. Hier verneige ich mich vor Anspruch, Inhalt und Form. Mein favorisiertes Stück, nicht nur gehört, sondern in mir geborgen, mitgetragen, möchte ich hier gerne – bald – vorstellen und auf einem Ehrenhügel präsentieren.

Weitersprechen übers Nichtsprechen:

Schweigen irritiert oft viel mehr.

„Is was?“
„Warum schweigst du mich an?“
„Schweigen mit dir, das tut so gut…“
„Warum spricht das Kind nicht mit uns?“
Wolfskinder ohne unsere Sprache, immer noch Geheimnis.
„Scheigen mit  mir allein“ (Kurzhörspiel v. D.L.)
„Stille Wasser sind tief.“
(„O ja.“ / „Lasst’s mi einfach in Friedn.“)

Wenn alles schweiget: Warten
auf das erste Wort, ein wahres Wort aus der Stille

, bis ein entsetzlich lautes, grässliches Geräusch alte Damen und junge Hunde erschreckt!
Nein, das tut man nicht, das ist ganz schlechtes Benehmen.

Erstmal Ende. Endlich.

So geht es nicht. Das wollte ich nicht.
Der Text macht, was er will.
Mozartfieber, das unterlief mir aus Versehen, und nun breitet es sich ungewollt aus:

…Kulturreporter schreiben im Lokalblatt, die Stadt fühle sich geehrt, geweiht und ausgezeichnet durch das Schaffen eines begnadeten Musikers. Die Pläne, Festspiele ins Leben zu rufen, werden konkret…die große Oppositionspartei fordert mit Umzug und Demo-Bändern: „Schwimmbad statt Klangbad! Brücken und Schulen sanieren, anstatt zu delirieren!“

Reaktionen der Politik beschreiben – ohne Ironie? Wie denn.
Meinen Text im engen Rahmen von Familie und Umfeld weiterführen? – Auch das Ausblenden von Politik ist eine politische Entscheidung.

Zu allem Überdruss wird zu Ehren von M. ein gigantisches Feuerwerk veranstaltet: …rund um den Stadtturm, zur Ehre unseres kleinen musikalischen Größenwahns, es übergießt ihn mit Blüten in Blau und Rot, knallt und raucht –

Feuerwerk kann ich eh nicht leiden. Macht bloß Ärger:
Fledermäuse, beruhigt euch, fliegt zurück in eure Höhlen, lasst euch hängen und schläft, bis ein vernünftiger Tag im Frühling euch weckt!

Und dann wird Lela mich besuchen und Kaffee verweigern, weil nur klares Wasser klaren Geist bewirkt, den sie dringend benötigt, seit jeden Abend „der Klang“ sie heimsucht, sich in sie versenkt und zum Mitklingen auffordert.

Diese Art Mystik ist mir unheimlich. Fort damit!

Bald feiert Coldies Geburtstag. Die Familienfeier läuft aus dem Rahmen, als der Knabe auf seinen Sessel steigt und verkündet: „Schluss mit ‚Coldie‘! Ich heiße ‚Frieder‘, da steckt das Wort ‚Friede‘ drin, und Frieden will ich schenken!“
Noch vor dem Ende seiner Rede (während Belinda zwei Bananenstücke aus der Tortenglasur stiehlt) erblicken wir Frieder auf einer Leiter, sie wächst durch Zimmerdecke, ersten Stock und Terrasse, möchte in den Himmel?
Wo Frieder für unsere liebevollen Blicke noch erreichbar bleibt, doch ausgesetzt allem, das lau, gleichgültig und voll Neid ist…

Hier ist vorerst mal Schluss. Ich muss zurück an den Anfang, Fäden, die unterwegs an dummen Orten zu wachsen begonnen haben, an klugen Stellen Wurzeln schlagen lassen, unerwartetes Dickicht zurechtstutzen, Lücken füllen oder überhaupt das ganze unübersichtliche Zeug wuchern lassen bis zur Katastrophe ohne Katharsis oder umgekehrt.
Viel Arbeit. Vorher Pause.
Kaffee für alle!

 

 

Das überaus Positive und ein paar Wolken

Fränzi reagierte positiv. Am Telefon klang das amüsiert-wohlwollend-überrascht, begleitet von unterdrücktem Kichern und einem ernsten Gegenargument: „Das hat was, Rita: Zwergziegen. Es ist, als hättest du unsere lang gehegten Wünsche durchschaut…Kinder mit Tieren…, und die Kinder wachsen mit, äußerlich und innerlich. Wir hätten schon längst wieder – wäre der Kater damals nicht an dieser doofen Krankheit gestorben.“
Der Tod gehört zum Leben, auch darüber reden wir. Vor allem über das Leben: „Rupert wird ganz gern mitmachen, denke ich. Und vorher unbedingt einwerfen, dass auch Alligatoren über einen gewissen Charme verfügen.“ Dennoch, man müsste alles genau planen, Mit den Kindern.

Und dann das Thema, das in der Luft liegt:
Mozartdelirium.

Fränzi fand es spannend und positiv. Ja, sie war mit dabei, enchanté, und doch wieder von einer Stimme der Vernunft gebremst. Weil, wohin führt das? Über die Euphorie, begleitet vom Schwung des Neuen, zum Kontrollverlust?
…immer, wenn ein Heilsbringer die Massen für sich gewonnen hat, gärte es unter Gegnern. Sie hießen: Neid, Furcht vor Machtverlust und Vernichtet-das-Schöne.
Fränzi: „Rupert ist mehr fürs Rustikale. Aber, wir gehen trotzdem zum Mooozartabend in der Musikschule. Mit Mozartprogramm-“
„Ist nicht leicht, so schnell was einzustudieren“, warf ich ein.
„Wurscht. Belinda hat mir die Einladung gebracht, und wir gehen hin, ist doch klar: Mozartquartette und und. Genuss bei Mozarttorte und Kaffee aus Mozarttassen.“
Wie im Biedermeier, müssen wir uns gestehen. Wenn Wolken aufziehen, sucht der brave Bürger Schutz zwischen vertrautem Gemäuer, bei ebenso braven Mitmenschen.

ES wird mit Mozarts Requiem enden.
Wer wird zu Grabe getragen…?
Unter Jubel, tränenreich?

 

 

 

Wollten wir auf der Seite Mozarts mitschwimmen? Abwarten?
Im Bewusstsein, dass wir Teil des Ganzen sind.

„Weißt, ich hab so viel um die Ohren, ich