Lesen. Hören. Schreiben. 56: Unnötige und andere Rückblenden

Rückblenden sind retardierene Momente.
Sag ich mal so.
Außer, sie sind fürs Verstehen unentbehrlich oder tragen einen Baustein zum Entstehen von Spannung (zur Aufklärung v. Vergangenem,…) in sich.
Wo ich gnadenlos die Augen verdreh: Beschreibung von Familie, Herkunft, Beruf und besonderen Eigenschaften der Personen, die nichts zum Plot beitragen.

Behauptung: Wo die Vorgeschichte mäßig-wichtig ist, kann sie in Gespräche (Pläne, Reflexion, Erinnerung, Briefe…) eingeflochten werden.

Aktuell:
Muss ich erzählen, dass die Mutter von Person M früher gerne Klavier gespielt hat und grad eben weder Zeit noch Motivation findet? – Nein.
Aber, bei M’s Besuch daheim steht das Klavier herum, immer noch nicht gestimmt. Diese Erwähnung halte ich für bedingt angebracht, weil das Muster der nicht ausgelebten Musikalität hier und dort wieder auftaucht.

Soll dem Lesepublikum die berufliche Vorgeschichte der Person M in einem eigenen Absatz vorgeführt werden? –
Nein. Das Umfeld stellt Fragen und erhält Antworten.

Ist die Rückblende in die Kindheit von M und E angebracht?
– Ja. Die Freundschaft, bisher aus den Gründen a, b und c, war beständig und wird jetzt einer Zerreißprobe unterzogen, die umso verstörender wirkt, je fester das Band früher war.

Fantasie beim Schreiben ist ziemlich wichtig. Der Sprung, den Fantasie unternimmt, um in die Rolle des interessierten oder gelangweilten Lesers zu schlüpfen, ist Gesetz.

Ich als Leserin wage es, mir-unerklärliche Rückblenden zu überspringen. – Wenn aber eine Passage auftaucht, die kostbare Wahrheit birgt oder Stil und Kunst verschmelzen lässt, schaffe ich ‘s, das Juwel noch einmal und immer wieder zu lesen, zu genießen.