Doch mal ins Konzert?

Kammermusik in meiner Kammer wird perfekt, wenn der Plattenspieler wieder funktioniert. Bis dahin: Ö1-Nachhören. Oder youtube Anklicken, mit dem Klangdefizit, das durch Kompressor und unzulängliche Lautsprecher entsteht. Und immer nebenbei „was tun“. Socken flicken. Pause. Nachheizen. Komponisten googlen. Tee.
Wie wäre es, nach langer Zeit wieder ein Konzert zu besuchen? Ohne Ablenkung durch Oper, Bühne, Drama?
Richtet sich die Aufmerksamkeit vom Werk, das aufgeführt, vor- und vorbeigeführt wird, auch auf das musikalische Handwerk? – Bleiben Worte wie Kontrapunkt, Melodieführung. TonartWechsel… abstrakt? Bewirken sie den Anfang eines langsam beginnenden Verstehens? – Ist Versenkung gut oder böse? – Erleidet das Musikerlebnis Verluste, wenn es mir  Erinnerungen beschert? – Wann und unter welchen Umständen entsteht auch aus dem aktuellen Erlebnis eine Erinnerung, die wieder durch zukünfitge Musik oder auch ganz andere Signale wachgerufen wird?
Darf ich ganz Ohr sein?
Sollte ich mir nicht Gedanken machen, ob daheim alles in Ordnung…?
Verändern die Menschen im Saal mich und meine Musik?
Wenn dem einen während einer bestimmten Passage ein Kurkonzert im Sommer zuvor einfällt, dem anderen eine Musikstunde im Gymnasium, undund – ist trotzdem ein kollektives, freudiges Musikerlebnis möglich, das sich in einer unsichtbaren Genusswolke im Raum erfühlen lässt?
Und was hat es mit dem missbrauchten Begriff Andacht auf sich?
Am Ende: Darf ich den Nachhall unterwegs zur U-Bahn verlieren?

Was wäre, gäbe es irgendwann keine Musik mehr, weder durch Instrumente, noch auf Tonträgern? Kann Musik im Kopf als annähernd gleichwertiger Ersatz dienen? Und wenn dieses lautlose Rauschen ins Freie will und sich aus Entbehrung so wild gebärdet, dass ein neuer Stil entsteht…?